Wenn man an Science-Fiction denkt, kommen einem oft düstere Raumschlachten, epische Heldenreisen oder knallharte Shooter in den Sinn. Doch manchmal ist es die Mischung aus Satire, absurdem Humor und knalligen Farben, die ein Spiel unvergesslich macht.
Genau das schafft Revenge of the Savage Planet, der Nachfolger von Journey to the Savage Planet. Es ist eine verrückte Reise durch fremde Welten, die nicht nur voller Geheimnisse stecken, sondern auch gnadenlos den Kapitalismus aufs Korn nehmen.
Und das Beste daran: Im Koop entfaltet sich der Spaß doppelt – in meinem Fall mit LuckyliveonAir.
Satire im Weltall
Die Geschichte klingt simpel, ist aber voller bissiger Details: Nach einem langen Cryo-Schlaf wacht unser Charakter auf – und wird prompt entlassen. Nicht etwa, weil er etwas falsch gemacht hat, sondern weil ein gigantischer Mega-Konzern alles übernommen hat. Willkommen in der Zukunft, in der selbst Astronauten nicht vor der Bürokratie verschont bleiben.
Von hier an beginnt unsere Mission: Wir sollen unsere Rakete reparieren, Beweise gegen den Konzern sammeln und am Ende natürlich Rache nehmen. Das klingt nach einer klassischen Sci-Fi-Geschichte – doch Revenge of the Savage Planet macht daraus eine bitterböse Parodie.
Die Entwickler überziehen jedes Klischee: Absurde Werbespots laufen auf den Bildschirmen im Habitat, pseudomotivierende Firmensprüche triefen vor Sarkasmus und jede Aktion wird von einer Prise „Corporate-Bullshit“ begleitet. Wer Spaß an überzeichneter Gesellschaftskritik hat, fühlt sich hier sofort zu Hause.
Third-Person statt First-Person – eine gelungene Entscheidung
Der größte Unterschied zum Vorgänger: Wir sind jetzt in der Third-Person-Perspektive unterwegs. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein kleiner Wechsel, verändert aber das komplette Spielgefühl.
Plattform-Passagen, Grapple-Haken-Aktionen und riskante Sprünge sind nun viel besser einzuschätzen. Man sieht die Umgebung klarer, kann Bewegungen präziser planen und fühlt sich stärker mit seinem Charakter verbunden.
Die Welten selbst sind wie kleine Biotope aufgebaut: ein Dschungel-Planet mit wilden Pflanzen und riesigen Wurzeln, ein Wüsten-Planet mit gefährlichen Abgründen und Sandstürmen, bizarre Eislandschaften, in denen jeder Schritt gut überlegt sein will, und ein Final-Planet, der als Bühne für das große Showdown dient.
Jede Welt hat ihre eigenen Mechaniken, Geheimnisse und Gefahren. Viele Orte sind zu Beginn versperrt, öffnen sich aber, sobald man Upgrades wie den Doppelsprung, den Grapple-Haken oder spezielle Bewegungsfähigkeiten freischaltet. Das sorgt für ein klassisches Metroidvania-Gefühl: ständige Motivation, zurückzukehren und neue Wege zu entdecken.
Kämpfe, Fortschritt und kleine Frustmomente
Das Kampfsystem ist solide, aber kein Highlight. Waffen fühlen sich manchmal etwas schwammig an, und Gegner wiederholen sich in Variationen, was auf Dauer etwas eintönig wirkt. Vor allem, wenn viele Gegner gleichzeitig angreifen, merkt man, dass die Steuerung nicht ganz so präzise ist, wie man es von einem Action-Titel erwartet.
Aber der Fokus liegt klar auf der Erkundung. Die Kämpfe sind eher Hindernisse als Kernmechanik. Spannender ist es, neue Blaupausen zu finden, Materialien zu sammeln und sein Arsenal Stück für Stück zu verbessern.
Das Habitat als Basisstation ist ein kleiner, aber feiner Bonus. Man kann es dekorieren, ausbauen und so ein bisschen Persönlichkeit in die eigene Welt bringen. Spielerisch bringt das nicht viel, aber es verstärkt das Gefühl, dass man hier „lebt“ – nicht nur Missionen abhakt.
Grafik, Sound & Humor – ein kunterbuntes Chaos
Optisch ist Revenge of the Savage Planet ein echter Hingucker. Die knalligen Farben, verrückten Pflanzen und bizarren Kreaturen wirken manchmal fast wie aus einem Cartoon, aber immer detailverliebt und einzigartig.
Auch die Soundkulisse passt: atmosphärische Hintergrundgeräusche, schräge Musik und witzige Kommentare begleiten jede Minute. Die Synchronisation ist bewusst übertrieben, was perfekt zum satirischen Ton passt.
Und dann der Humor: Nicht jeder Gag sitzt, manchmal ist es auch etwas albern – aber genau das macht den Reiz aus. Ich habe oft laut gelacht, manchmal nur geschmunzelt, aber selten das Gefühl gehabt, dass der Humor fehl am Platz ist.
Koop = Spaß² mit LuckyliveonAir
Jetzt kommt der Teil, der das Spiel für mich unvergesslich gemacht hat: der Koop-Modus.
Alleine ist das Spiel schon gut, aber zu zweit entfaltet es eine völlig andere Dynamik. Mit LuckyliveonAir an meiner Seite wurde jede Session zu einem kleinen Abenteuer voller Chaos, Gelächter und spontaner Rettungsaktionen.
Ein paar Highlights: Wenn einer von uns einen Sprung verpasst hat und der andere ihn retten musste. Wenn wir gemeinsam über geheime Wege gestolpert sind, die wir alleine nie gefunden hätten. Oder wenn absurde Situationen durch die Kommentierung von zwei Spielern zur Comedy-Show wurden.
Viele Momente, die im Singleplayer frustrierend sein könnten, verwandeln sich im Koop in pure Unterhaltung. Selbst die Tatsache, dass Spieler 2 nicht alle Achievements bekommt, war da nur eine Randnotiz – der Spaß überwog bei weitem.
Kritik bleibt Kritik
Natürlich ist nicht alles perfekt: Die Kämpfe hätten präziser sein können, die Gegner-Vielfalt ist begrenzt, manche Upgrades ziehen sich und erfordern viel Sammelarbeit. Hier und da nerven kleinere Bugs oder Performance-Probleme.
Aber ganz ehrlich: Im Gesamtbild sind das Kleinigkeiten, die den Spielspaß kaum trüben.
Fazit & Empfehlung
Revenge of the Savage Planet ist eine bunte, satirische und extrem unterhaltsame Fortsetzung, die Humor, Erkundung und Metroidvania-Gameplay perfekt kombiniert.
Im Singleplayer bereits ein starkes Erlebnis – im Koop mit einem guten Partner aber ein echtes Highlight. Für mich war die gemeinsame Reise mit LuckyliveonAir eines der besten Gaming-Erlebnisse des Jahres.
Meine Wertung: 8,3 / 10 – klare Empfehlung für Koop-Fans, Sci-Fi-Liebhaber und alle, die bei Gaming auch mal herzhaft lachen wollen.





