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Hellbound: Hellraiser II – Kindheitsangst, Pinhead und 3 von 5 Sternen

Manche Horrorfilme erschrecken einen für zwei Stunden. Andere bleiben irgendwo im Kopf hängen und fühlen sich Jahrzehnte später noch an wie eine Erinnerung, die man lieber nicht nachts allein auspackt. Hellbound: Hellraiser II gehört für mich genau in diese zweite Kategorie.

Der Film von 1988 hat mich in meiner Kindheit geprägt. Nicht, weil er einfach nur blutig war, sondern weil sein Horror auf einem völlig anderen Niveau funktioniert als vieles, was heute im Kino landet. Diese kalte Welt, der Würfel, das Labyrinth und vor allem Pinhead hatten eine Wirkung, die sich nicht mit einem lauten Schreckmoment erledigte. Meine Wertung fällt trotzdem nicht uneingeschränkt begeistert aus: 3 von 5 Sternen.

Die Handlung: Zurück in die Hölle

Hellbound: Hellraiser II setzt kurz nach dem ersten Film ein. Kirsty Cotton hat die Begegnung mit den Cenobiten überlebt, doch niemand möchte ihre Geschichte von der rätselhaften Puzzlebox und den Wesen aus einer anderen Dimension glauben. Sie landet im Channard Institute, einer psychiatrischen Klinik unter der Leitung von Dr. Philip Channard.

Channard ist allerdings nicht der vernünftige Arzt, den Kirsty jetzt brauchen würde. Er ist seit Jahren vom Okkulten, der Puzzlebox und der Welt hinter ihr besessen. Als er erkennt, was auf der blutgetränkten Matratze aus Kirstys Elternhaus geschehen ist, bringt er Julia zurück. Die braucht für ihre vollständige Wiederkehr neue Opfer – und Channard liefert sie ihr.

Eine junge Patientin namens Tiffany besitzt ein außergewöhnliches Talent für Rätsel. Channard benutzt sie, um die Box zu öffnen. Damit steht das Tor zum Labyrinth offen: eine endlose, unmenschliche Welt aus Gängen, Treppen und Kammern, die vom gewaltigen Leviathan beherrscht wird. Kirsty geht hinein, weil sie glaubt, ihr Vater brauche dort ihre Hilfe. Stattdessen trifft sie erneut auf Pinhead und die Cenobiten, während Julia und Channard ihre ganz eigenen Ziele verfolgen.

Mehr möchte ich zur Handlung nicht verraten. Der Film lebt davon, dass sich die bekannte Geschichte plötzlich in eine viel größere, noch fremdere Mythologie öffnet.

Pinhead ist kein gewöhnliches Filmmonster

Pinhead war für mich nie einfach der nächste maskierte Killer im Regal neben Freddy oder Jason. Doug Bradley spielt ihn ruhig, würdevoll und fast feierlich. Er muss nicht herumrennen und auch nicht ständig brüllen. Seine Präsenz reicht. Wenn er spricht, wirkt das weniger wie die Drohung eines Monsters als wie ein Urteil, das längst gefällt wurde.

Der zweite Film macht ihn sogar tragischer. Hinter der präzise verstümmelten Gestalt steckt eine menschliche Vergangenheit. Für einen kurzen Moment wird aus der Horrorikone wieder eine Person. Genau das hebt Pinhead für mich bis heute von vielen modernen Figuren ab: Er ist erschreckend, aber nicht leer. In ihm stecken Disziplin, Verlust, Schmerz und ein Rest Menschlichkeit.

Horror auf einem anderen Niveau

Heute arbeiten viele Horrorfilme mit schnellen Schnitten, digitalen Effekten und einem Geräusch, das so laut ist, dass man automatisch zusammenzuckt. Hellbound braucht das nicht. Die praktischen Masken, die feuchten Oberflächen, die dunklen Räume und Christopher Youngs Musik erzeugen etwas Körperliches. Man sieht den Effekten ihr Alter teilweise an, aber gleichzeitig haben sie Gewicht und Struktur.

Als Kind war das für mich keine hübsch verpackte Geisterbahn. Diese Welt fühlte sich verboten an. Der Film behauptete nicht nur, dass hinter der nächsten Tür ein Monster wartet. Er zeigte eine ganze Ordnung aus Schmerz, Lust, Neugier und Bestrafung. Ich verstand damals sicher nicht jede Bedeutung – die Bilder verstanden mich dafür umso besser.

Durch Hellraiser entdeckte ich Clive Barker

Regie führte bei Teil zwei Tony Randel, die Geschichte stammt aber von Clive Barker, der den Film außerdem als Produzent begleitete. Durch Hellraiser wurde Barker für mich mehr als nur ein Name im Vorspann: Ich entdeckte ihn als Autor und verstand, dass hinter diesem Horror eine eigene literarische Fantasie steckt.

Barkers Welten sind nicht gemütlich in Gut und Böse aufgeteilt. Verlangen kann dort gefährlich sein, Schmerz kann als Erfahrung verkauft werden und Monster treten mit der Ruhe von Priestern auf. Diese Mischung hat mich fasziniert und meinen Blick auf Horror geprägt. Ein Film musste für mich danach nicht nur Angst machen – er durfte fremd, verstörend und zugleich intelligent sein.

Der deutsche Trailer

Der Würfel im eigenen Wohnzimmer?

Die Lament Configuration ist eines dieser Filmobjekte, die man sofort erkennt. Schwarz, Gold, geometrische Muster – eigentlich ein großartiges Sammlerstück. Trotzdem müsste ich jedes Mal kurz überlegen, ob ich den Würfel wirklich ins Regal stellen möchte.

Natürlich weiß ich, dass es nur ein Film ist. Natürlich weiß ich auch, dass von einem Kunststoffwürfel keine Cenobiten aus dem Flur kommen. Aber nach diesen Filmen würde es sich trotzdem komisch anfühlen, das Ding zu Hause zu haben. Vermutlich würde ich nachts daran vorbeigehen, noch einmal zurückschauen und prüfen, ob sich nicht doch eine Seite bewegt hat.

Warum nur 3 von 5 Sternen?

Die Bilder, die Atmosphäre und Pinhead sind bis heute stark. Auch die Erweiterung der Mythologie gefällt mir: Das Labyrinth und Leviathan machen aus der kleinen Geschichte des ersten Films einen kosmischen Albtraum. Clare Higgins als Julia und Kenneth Cranham als Channard tragen den Film mit einer wunderbar unangenehmen Energie.

Gleichzeitig ist Hellbound unruhiger und chaotischer als sein Vorgänger. Einige Übergänge wirken gehetzt, manche Ideen werden nur angerissen und die Logik des Labyrinths ist nicht immer so faszinierend wie seine Optik. Wer Teil eins nicht kennt, dürfte zwischen Rückblenden, Wiederauferstehung und Höllenarchitektur ziemlich verloren sein. Das Alter einzelner Effekte hilft dabei ebenfalls nicht.

Darum sind es für mich 3 von 5 Sternen: kein perfekter Film, aber ein persönlich wichtiger. Objektiv sehe ich seine Schwächen. Emotional hängen seine Bilder seit meiner Kindheit an mir wie eine Kette, die irgendwo im Dunkeln weiterläuft.

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Hat euch Pinhead damals ebenfalls beeindruckt, oder war Hellbound eher der Film, nach dem die Puzzlebox endgültig aus dem Kinderzimmer verbannt wurde? Schreibt es gern in die Kommentare.

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